So schätzt der Körperstrom Fett und Wasser
Eine BIA-Messung, ausgeschrieben bioelektrische Impedanzanalyse, misst nicht das Fett selbst, sondern den elektrischen Widerstand Ihres Körpers, und rechnet daraus die Zusammensetzung aus. Das Gerät schickt über Elektroden an Hand und Fuß einen schwachen Wechselstrom durch den Körper, meist mit 50 Kilohertz. Wasserreiches Gewebe wie Muskeln leitet gut, Fett leitet schlecht. Aus dem Widerstand, Ihrer Körpergröße, Ihrem Gewicht, Alter und Geschlecht schätzt eine Formel Ihr Körperwasser und daraus die fettfreie Masse. Die Fettmasse ist der Rest bis zum Körpergewicht.
Die Rechnung beruht auf einer Annahme, und daraus folgen alle Grenzen der Methode. Die Formeln setzen voraus, dass die fettfreie Masse bei gesunden Erwachsenen zu etwa 73 Prozent aus Wasser besteht; bei Kindern liegt der Anteil höher. Wer Wasser einlagert, gerade viel getrunken oder Sport getrieben hat, verändert den Widerstand, ohne dass sich Fett oder Muskeln ändern. Die Formel liefert dann eine falsche Zahl mit Nachkommastelle.
Es gibt verschiedene Gerätetypen. Das klassische Gerät in der Praxis misst im Liegen von Hand zu Fuß. Andere Geräte nutzen mehrere Frequenzen und können Wasser innerhalb und außerhalb der Zellen besser trennen, wieder andere messen Arme, Beine und Rumpf einzeln. Körperfettwaagen messen von Fuß zu Fuß im Stehen.
Wann die Zahl stimmt und wann nicht
Die Messung ist für Gruppen genauer als für einzelne Menschen, und für Verläufe besser als für einen einzelnen Wert. Ein Übersichtsvergleich aus 16 Studien fand hohe Übereinstimmung zwischen der Messung und einer genauen Röntgenmethode, aber eine geringere Übereinstimmung bei einzelnen Personen.
Wie stark die Aussagekraft schwankt, zeigt sich an zwei Zahlen. Änderungen unter 1,5 bis 2 Kilogramm erkennt die Methode nicht sicher, und direkt nach Sport sinkt der gemessene Widerstand um etwa 3 Prozent. Die folgende Übersicht zeigt, wann eine Zahl trägt und wann nicht.
| Situation | Aussagekraft | Grund |
|---|---|---|
| Erwachsene, BMI 16 bis 34, stabiler Wasserhaushalt | Verläufe verwertbar, Einzelwert mit Vorsicht | Die Formeln sind für diese Gruppe am besten geprüft |
| Veränderung unter 1,5 bis 2 kg | nicht sicher erkennbar | Die Messgenauigkeit der Methode liegt in dieser Größenordnung |
| BMI über 34 oder unter 16 | Schätzfehler groß | Für diese Bereiche sind die Formeln kaum geprüft |
| Wassereinlagerung oder schwere Erkrankung | nicht geeignet | Der Wassergehalt weicht zu stark vom Durchschnitt ab |
| Ältere Menschen | nur mit eigenen Formeln | Formeln aus jungen Gruppen verzerren bei Älteren stark |
| Direkt nach Sport oder Essen | verfälscht | Sport senkt den Widerstand sofort um etwa 3 Prozent |
Für die Beratung heißt das: Eine einzelne Zahl wie 31,4 Prozent Körperfett ist eine Schätzung aus einer Formel, keine Messung wie das Körpergewicht. Aussagekräftig wird sie im Vergleich mit sich selbst, also mit demselben Gerät, unter denselben Bedingungen, über Monate.
So machen Sie zwei Messungen vergleichbar
Die Messung ist nur so gut wie ihre Bedingungen. Für die Forschung gelten 48 Stunden ohne Alkohol und Sport vorher; für die Praxis reichen kürzere Zeiten. Der wichtigste Punkt für Sie ist, dass jede Folgemessung unter denselben Bedingungen stattfindet wie die erste.
- Termin zur selben Tageszeit wie beim ersten Mal legen, am besten morgens; bei Frauen den Zyklustag notieren.
- Vorher einige Stunden nichts essen und keinen Alkohol trinken; die Fachkraft sagt Ihnen, welche Vorgabe für Ihre Messreihe gilt.
- Am Vortag und am Messtag keinen Sport treiben; direkt nach Belastung ist der Widerstand verändert.
- Vor der Messung die Blase entleeren.
- Größe und Gewicht vor Ort messen lassen; selbst geschätzte Werte verfälschen die Berechnung.
- Vor der Messung 5 bis 10 Minuten liegen, Arme und Beine leicht gespreizt, ohne Kontakt zu Metall.
- Implantate, Prothesen und einen Herzschrittmacher vorher angeben; gemessen wird immer auf derselben Körperseite.
Wer diese Schritte einhält, kann zwei Messungen im Abstand von drei Monaten vergleichen. Wer einmal morgens nüchtern und einmal nach dem Training misst, vergleicht zwei Zustände des Wasserhaushalts, nicht zwei Stände von Fett und Muskeln.
Wann sich eine Messung für Sie lohnt
Ob eine Messung überhaupt zu Ihrer Beratung passt, klärt meist schon das Erstgespräch der Ernährungsberatung. Eine Messung lohnt sich, wenn der Verlauf von Fett und Muskelmasse für Ihr Ziel mehr sagt als die Waage. Ein Beispiel ist das Abnehmen mit dem Ziel, die Muskelmasse zu erhalten. Bei Übergewicht bis zu einem Body-Mass-Index, kurz BMI, von 34,9, dem Verhältnis von Gewicht zu Körpergröße, bietet sie eine einfache und günstige Möglichkeit, zwischen Fett- und fettfreier Masse zu unterscheiden. Die sinkende Fettmasse kann dabei zusätzlich motivieren. Vorgesehen sind Messungen zu Beginn und Ende der Beratung, dazwischen alle drei bis sechs Monate.
Sie lohnt sich nicht als Einstieg in jede Beratung. Für eine Umstellung ohne Gewichtsziel, einen Präventionskurs oder eine Beratung bei einer Unverträglichkeit sagt sie wenig. Sie lohnt sich auch nicht in kurzen Abständen. Wer alle zwei Wochen misst, sieht vor allem Schwankungen im Wasserhaushalt, weil echte Veränderungen unter 1,5 bis 2 Kilogramm nicht sicher erkennbar sind.
Tragen Sie einen Herzschrittmacher oder Defibrillator, sind schwanger oder haben Wassereinlagerungen?
Lassen Sie sich nur nach Rücksprache mit Ihrer Praxis messen; bei Schrittmachern soll die Herztätigkeit dabei überwacht werden, und bei gestörtem Wasserhaushalt ist die Methode nicht aussagekräftig.
Liegt Ihr BMI zwischen 16 und 34, und geht es um den Verlauf von Fett und Muskeln über mehrere Monate?
Lassen Sie sich zu Beginn und am Ende messen, dazwischen frühestens nach drei Monaten, immer unter gleichen Bedingungen und mit demselben Gerät.
Gewicht, Taillenumfang und Ihr Ernährungsprotokoll sagen für Ihr Ziel meist genug; die Messung ist verzichtbar oder nur mit Vorsicht zu deuten.
Körperfettwaage und Praxisgerät messen unterschiedlich
Eine Körperfettwaage misst den Strom von Fuß zu Fuß im Stehen, ein Praxisgerät von Hand zu Fuß im Liegen. Stiftung Warentest hat 17 Körperanalysewaagen zwischen 28 und 400 Euro geprüft. Als Vergleich diente ein medizinisches Analysesystem, das von Hand zu Fuß misst, an jeweils mindestens 30 Testpersonen. Die Noten reichten von Gut bis Ausreichend.
- Die Schwächen lagen im Test vor allem bei der Auswertung der Körperzusammensetzung; die Prüfer fanden dort enorme Unterschiede zwischen den Geräten.
- Fünf der 17 Waagen erreichten die Note Gut für weniger als 40 Euro, mehrere Modelle zwischen 100 und 400 Euro verpassten sie.
- Waage und Praxisgerät nutzen verschiedene Formeln; ihre Werte lassen sich nicht miteinander vergleichen, nur jeweils mit sich selbst.
- Zu Hause gelten dieselben Bedingungen wie in der Praxis: gleiche Tageszeit, vor dem Frühstück, nicht nach dem Sport.
- Einen Verlauf mit der eigenen Waage können Sie zur Beratung mitbringen; die Fachkraft ersetzt ihn nicht durch einen Wert aus einem anderen Gerät.
Für die Beratung ist die Waage zu Hause kein Ersatz für eine Messung in der Praxis, aber auch kein Grund, eine Praxismessung zu buchen. Wenn Sie Ihren Verlauf ohnehin zu Hause verfolgen, reicht es oft, diese Werte zusammen mit Gewicht und Taillenumfang mitzubringen.
Was eine Messung kostet und wer zahlt
Eine Messung kostet nach Empfehlung der Berufsverbände 18 bis 40 Euro, dazu kommt die Zeit für die Besprechung der Werte; ohne ärztliche Bescheinigung kommt die Umsatzsteuer hinzu. Eine eigene Kassenleistung ist sie nicht: Techniker und KKH bezuschussen die Beratungstermine mit festen Beträgen und nennen die Körperanalyse nicht als eigenen Posten. Liegt die Messung innerhalb eines Termins, trägt der Zuschuss für diesen Termin sie mit. Wird sie gesondert berechnet, zahlen Sie sie selbst.
Was eine Ernährungsberatung insgesamt kostet, zeigt Ihnen den Rahmen, in den die Messung als Zusatzposten fällt. Weiß die Fachkraft, dass die Kasse nicht alles übernimmt, muss sie Sie vorher schriftlich über die Kosten informieren. Fragen Sie vor der ersten Messung drei Dinge: welches Gerät verwendet wird, ob die Messung im Beratungshonorar enthalten ist und in welchem Abstand die Folgemessungen geplant sind. Eine Messung vor jedem Termin im Abstand von zwei Wochen kostet bei fünf Terminen bis zu 200 Euro. Sie zeigt vor allem Schwankungen, die unterhalb der Messgenauigkeit liegen.
Häufige Fragen
Was misst eine BIA-Messung?
Die Körperanalyse mit schwachem Strom misst den elektrischen Widerstand Ihres Körpers und schätzt daraus mit einer Formel das Körperwasser, die fettfreie Masse und die Fettmasse. Die Formel nutzt dazu Größe, Gewicht, Alter und Geschlecht. Fett und Muskeln werden nicht direkt gemessen, sondern berechnet.
Wie genau ist eine BIA-Messung?
Die Körperanalyse mit schwachem Strom ist für Verläufe bei Erwachsenen mit einem BMI von 16 bis 34 und normalem Wasserhaushalt brauchbar. Änderungen unter 1,5 bis 2 Kilogramm erkennt sie aber nicht sicher. Für einzelne Personen weicht sie stärker von genaueren Methoden ab als für Gruppen. Außerhalb dieses Bereichs und bei Wassereinlagerungen sind die Schätzfehler groß.
Darf ich mit Herzschrittmacher eine BIA-Messung machen lassen?
Mit Herzschrittmacher oder Defibrillator lassen Sie die Körperanalyse mit Strom nur nach Rücksprache mit Ihrer kardiologischen Praxis machen. Eine Störung wird nicht erwartet, lässt sich aber nicht ausschließen. Deshalb soll die Herztätigkeit während der Messung überwacht werden. Menschen mit Herzschrittmacher wird von Körperanalysewaagen abgeraten.
Was kostet eine BIA-Messung beim Ernährungsberater?
Die Körperanalyse mit Strom kostet beim Ernährungsberater nach Empfehlung der Berufsverbände 18 bis 40 Euro, ohne ärztliche Bescheinigung zuzüglich Umsatzsteuer. Eine eigene Kassenleistung ist die Messung nicht; der Zuschuss der Kasse gilt den Beratungsterminen.
Wie oft sollte eine BIA-Messung wiederholt werden?
Die Körperanalyse mit Strom wird zu Beginn und am Ende einer Beratung gemacht und kann dazwischen alle drei bis sechs Monate wiederholt werden. Kürzere Abstände zeigen vor allem Schwankungen im Wasserhaushalt, weil Änderungen unter 1,5 bis 2 Kilogramm nicht sicher erkennbar sind. Jede Wiederholung braucht dasselbe Gerät und dieselben Bedingungen.
Wie bereite ich mich auf eine BIA-Messung vor?
Für die Körperanalyse mit Strom kommen Sie zur selben Tageszeit wie bei der ersten Messung, möglichst nüchtern, ohne Alkohol und ohne Sport am Vortag, und entleeren vorher die Blase. Größe und Gewicht werden vor Ort gemessen, vor der Messung liegen Sie 5 bis 10 Minuten. Implantate, Prothesen und einen Herzschrittmacher geben Sie vorher an.
