3 bis 7 Tage reichen für die Auswertung
Ein Ernährungsprotokoll für die Beratung umfasst drei bis sieben Tage, und mindestens einer davon ist ein Samstag oder Sonntag. Es ist die fortlaufende Aufzeichnung dessen, was Sie essen und trinken, mit Zeit und Menge. Die Fachkraft rechnet daraus Ihre Energie- und Nährstoffzufuhr aus; die Berechnung und Auswertung solcher Protokolle gehört ausdrücklich zu einer verordneten Ernährungstherapie.
Die Spanne hat zwei Gründe, die gegeneinander stehen. Wer nur einen Tag aufschreibt, bildet seine übliche Ernährung nicht ab, weil die Nahrungsaufnahme von Tag zu Tag stark schwankt. Am Wochenende fällt oft das Frühstück anders aus als unter der Woche. Wer länger als eine Woche protokolliert, wird ungenauer, weil das Aufschreiben ermüdet. Fachleute des Max Rubner-Instituts empfehlen deshalb drei oder vier Tage am Stück, keinesfalls mehr als sieben.
Die Berufsverbände haben ihre Preise auf diese Spanne abgestimmt, und die DGE legt ihrem kostenlosen Formular ebenfalls eine Woche zugrunde. Welche Dauer Ihre Fachkraft will, sagt sie Ihnen im Erstgespräch; fragen Sie nach, wenn sie es nicht tut, denn davon hängt der Preis der Auswertung ab.
6 Angaben macht ein brauchbarer Eintrag
Jeder Eintrag braucht sechs Angaben, damit die Fachkraft ihn in eine Berechnung übersetzen kann: Uhrzeit, Lebensmittel, Menge, Getränk, Situation und Besonderheiten. Fehlt die Menge, lässt sich nichts berechnen; fehlt die Sorte, rechnet die Software mit einem Durchschnitt, der bei Käse oder Joghurt je nach Fettstufe weit danebenliegen kann.
Die sechs Angaben zeigen sich am Mustertag der DGE so konkret wie im Alltag. Um 7 Uhr stehen zwei Scheiben Vollkornbrot, zwei Teelöffel Butter und eine Scheibe Gouda mit 45 Prozent Fett in der Trockenmasse. Dazu kommt eine Tasse Kaffee mit 125 Millilitern und vier Teelöffeln Milch. Die folgende Übersicht zeigt alle sechs Angaben mit Beispiel und Grund.
| Angabe | Beispiel | Warum die Fachkraft sie braucht |
|---|---|---|
| 1. Uhrzeit | 7:00 Uhr, 10:30 Uhr, 14:00 Uhr | Mahlzeitenrhythmus, lange Pausen und spätes Essen werden sichtbar, bei Diabetes auch der Bezug zu Medikamenten |
| 2. Lebensmittel mit Sorte | Vollkornbrot, Gouda 45 Prozent Fett, paniertes Schnitzel, frittiert | Sorte, Fettstufe und Zubereitung verändern Energie und Fett; die Software braucht sie für den richtigen Wert |
| 3. Menge | 2 Scheiben, 2 Teelöffel Butter, 150 Gramm Möhren | Ohne Menge keine Berechnung; Haushaltsmaße reichen, Gramm sind genauer |
| 4. Getränke mit Art und Menge | 1 Tasse Kaffee 125 ml mit Milch, 1 Glas Wasser 400 ml | Getränke tragen Zucker und Energie bei, die oft übersehen werden |
| 5. Situation und Befinden | in Eile, Kantine, Besprechung, vor dem Bildschirm | Auslöser für Essen nebenbei und Heißhunger lassen sich nur mit dem Kontext erkennen |
| 6. Besonderheiten | Beschwerden nach dem Essen, ausgelassene Mahlzeit, Medikamente, Bewegung | Bei Unverträglichkeiten zählt der zeitliche Bezug zu Beschwerden, bei Erkrankungen der zu Medikamenten |
Schätzen reicht fast immer, wiegen nur selten
Für die meisten Beratungen reicht ein Protokoll mit geschätzten Mengen in Haushaltsmaßen wie Teelöffel, Scheibe, Tasse oder Handvoll. Ein Protokoll, bei dem Sie jedes Lebensmittel vor dem Essen wiegen und Reste zurückwiegen, ist genauer, ermüdet aber nach wenigen Tagen und ist beim Essen außer Haus kaum umzusetzen.
- Wiegen lohnt sich, wenn die Fachkraft eine genaue Nährstoffmenge braucht, etwa Kohlenhydrate bei Diabetes mit Insulin.
- Wiegen lohnt sich, wenn Ihre Schätzungen im ersten Protokoll deutlich vom Ergebnis abwichen.
- Wiegen lohnt sich an einem Tag, an dem Sie ohnehin zu Hause kochen, um ein Gefühl für Ihre üblichen Portionen zu bekommen.
- Fotos ersetzen das Aufschreiben nur, wenn ein Maßstab auf dem Bild ist, etwa eine Gabel oder ein Teller bekannter Größe.
- Beim Essen außer Haus notieren Sie das Gericht so genau wie möglich, mit Beilagen und Soße.
Hat die Fachkraft eine genaue Menge eines Nährstoffs verlangt, etwa Kohlenhydrate in Gramm?
Wiegen Sie an den vereinbarten Tagen, mit Küchenwaage, Resten und Rezepten.
Tragen Sie Ihr Telefon beim Essen ohnehin bei sich und nutzen gern eine App?
Protokoll in einer App oder als Foto mit Maßstab, ergänzt um Situation und Beschwerden; fragen Sie, in welchem Format die Fachkraft es auswerten kann.
Schätzen Sie auf Papier oder im DGE-Formular, Mengen in Haushaltsmaßen, direkt nach dem Essen eingetragen.
In 7 Schritten zum auswertbaren Protokoll
Ein Protokoll, mit dem die Fachkraft rechnen kann, entsteht aus Gewohnheiten beim Aufschreiben, nicht aus besonderer Mühe beim Essen.
- Zeitraum festlegen: drei bis sieben Tage am Stück mit mindestens einem Wochenendtag, möglichst ohne Feiertage, Urlaub oder Krankheit.
- Ziel auf das Deckblatt schreiben: Name, Zeitraum und Ihr Ziel aus dem Erstgespräch.
- Direkt nach dem Essen eintragen: Uhrzeit, Lebensmittel mit Sorte und Zubereitung, Menge; sonst ein Foto als Gedächtnisstütze machen und abends übertragen.
- Alles notieren, auch nebenbei: das Stück Schokolade im Büro, die Milch im Kaffee, Kaugummi und Alkohol.
- Getränke eigens erfassen: Art und Menge in Millilitern oder als Glas und Tasse mit Größe.
- Situation und Besonderheiten ergänzen: Ort, Stimmung, Zeitdruck, Beschwerden nach dem Essen, Medikamente, Bewegung.
- Protokoll vor dem Folgetermin abgeben: per E-Mail oder App, damit die Fachkraft es vor dem Termin auswerten kann.
Warum das Aufschreiben Ihr Essen verändert
Ein Ernährungsprotokoll verändert das, was es misst. Lebensmittel, die als gesund gelten, wie Gemüse, Obst und Wasser, werden in den Protokolltagen eher überschätzt oder sogar mehr gegessen als sonst üblich. Süßwaren und Alkohol werden eher unterschätzt oder weniger verzehrt.
Für die Beratung ist beides ein Problem, weil die Empfehlungen dann auf einem Tag beruhen, den es so nicht gibt. Die Fachkraft prüft deshalb, ob die errechnete Energiezufuhr plausibel ist: Liegt sie unter dem, was Ihr Körper in völliger Ruhe verbraucht, fehlt im Protokoll etwas.
Außerhalb der ersten Bestandsaufnahme ist die Veränderung dagegen erwünscht. Das eigene Beobachten von Gewicht, Ernährung, Bewegung und Anlass des Essens gilt als wirksame Methode der Verhaltensänderung, digitale Werkzeuge können dabei helfen. Das erste Protokoll soll Ihren Alltag zeigen, spätere Protokolle dürfen ihn verändern.
Das errechnet die Fachkraft aus Ihren Tagen
Aus dem Protokoll errechnet die Fachkraft Ihre durchschnittliche Zufuhr an Energie, Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten, Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen je Tag und vergleicht sie mit Ihrem Bedarf. Dafür gibt sie jeden Eintrag in eine Software ein, die auf einer amtlichen Lebensmitteldatenbank mit mittlerweile 7.140 Lebensmitteln rechnet.
Kodieren
Jeder Eintrag wird einem Lebensmittel der Datenbank zugeordnet, mit Menge in Gramm; Haushaltsmaße rechnet die Software um. Zuständig: die Fachkraft. Aufwand: eine bis mehrere Stunden.
Berechnen
Die Software summiert Energie und Nährstoffe je Tag und bildet den Durchschnitt über alle Protokolltage. Zuständig: die Software, geprüft von der Fachkraft.
Vergleichen
Abgleich mit anerkannten Richtwerten und mit Ihrem Energiebedarf; Prüfung, ob die Werte zu Ihrem Ruheverbrauch passen. Zuständig: die Fachkraft.
Besprechen
Im Folgetermin erklärt die Fachkraft, wo Zufuhr und Bedarf auseinanderliegen; daraus entsteht der Ernährungsplan. Zuständig: beide. Dauer: 30 Minuten.
Die Auswertung ist Arbeit außerhalb des Termins und wird oft gesondert berechnet. Die Verbände empfehlen 90 bis 140 Euro je Stunde oder pauschal 180 Euro für sieben Tage, zuzüglich Umsatzsteuer ohne ärztliche Bescheinigung. Fragen Sie vor dem Erstgespräch der Ernährungsberatung, ob die Auswertung im Folgetermin enthalten ist, denn aus ihr entsteht später Ihr Ernährungsplan.
Häufige Fragen
Wie viele Tage sollte ich ein Ernährungsprotokoll führen?
Ein Ernährungsprotokoll für die Beratung führen Sie drei bis sieben Tage, darunter mindestens einen Wochenendtag. Fachleute empfehlen drei oder vier Tage am Stück und raten von mehr als sieben ab, weil die Genauigkeit mit der Dauer sinkt. Welche Dauer Ihre Fachkraft will, legt sie im Erstgespräch fest.
Muss ich für ein Ernährungsprotokoll alles abwiegen?
Für ein Ernährungsprotokoll müssen Sie in den meisten Beratungen nichts abwiegen; Mengen in Haushaltsmaßen wie Teelöffel, Scheibe, Tasse oder Handvoll reichen. Ein Wiegeprotokoll ist genauer und lohnt sich, wenn die Fachkraft eine exakte Nährstoffmenge braucht, etwa Kohlenhydrate bei Diabetes mit Insulin.
Kann ich ein Ernährungsprotokoll mit einer App führen?
Ein Ernährungsprotokoll können Sie mit einer App führen, wenn die Fachkraft das Format auswerten kann; fragen Sie vorher danach. Digitale Werkzeuge zur Selbstbeobachtung sind zulässig, die Beteiligung ist damit oft höher als bei Papier. Situation und Beschwerden sollten Sie in der App zusätzlich notieren.
Was kostet die Auswertung eines Ernährungsprotokolls?
Die Auswertung eines Ernährungsprotokolls kostet nach Empfehlung der Berufsverbände 90 bis 140 Euro je Stunde für drei bis sieben Protokolltage oder pauschal 180 Euro für sieben Tage. Ohne ärztliche Bescheinigung kommt die Umsatzsteuer dazu. Manche Fachkräfte rechnen die Auswertung in den Folgetermin ein; das steht im Kostenvoranschlag.
Warum soll ich während des Ernährungsprotokolls essen wie sonst?
Während des Ernährungsprotokolls sollen Sie essen wie sonst, weil die Fachkraft Ihre übliche Ernährung auswerten will. Gemüse und Obst werden in den Protokolltagen sonst eher mehr gegessen oder überschätzt, Süßes und Alkohol eher weniger oder unterschätzt. Empfehlungen auf dieser Grundlage passen dann nicht zu Ihrem Alltag.
