Welche Formen der Online-Ernährungsberatung gibt es?
Online-Ernährungsberatung ist keine eigene Leistung der Krankenkassen, sondern ein Kanal. Dieselbe Beratung, die in der Praxis stattfindet, läuft dann per Video, Telefon oder in einem Kursportal. Für den Zuschuss zählt deshalb die Art der Leistung. Fünf Wege kommen vor, und jeder hat eigene Regeln, eine eigene Prüfstelle und einen eigenen Zahler. Zu den Wegen gehört auch das Heilmittel, eine ärztlich verordnete Behandlung, die die Kasse bezahlt, so wie Physiotherapie.
Die Zuschüsse liegen zwischen 150 Euro je Online-Kurs bei der Techniker und 200 Euro je Kalenderjahr bei der IKK classic für Videoberatung. Die Techniker zahlt dabei 80 Prozent der Kursgebühr. Die Einzelberatung per Video bezuschusst die KKH mit 85 Prozent bis 165 Euro, die Techniker zahlt sie nicht. Zwei Apps für starkes Übergewicht trägt die Kasse vollständig.
| Form | Wer die Qualität prüft | Wer zahlt |
|---|---|---|
| Online-Kurs mit festen Einheiten oder als Selbstlernprogramm | Prüfstelle der Kassen nach den Qualitätsregeln der Kassen | Kasse bezuschusst nach Satzung, zum Beispiel Techniker 80 Prozent bis 150 Euro je Kurs |
| Einzelberatung per Video oder Telefon bei einer Erkrankung | Die Kasse prüft Bescheinigung und Qualifikation der Beraterin | Kasse entscheidet im Einzelfall; KKH 85 Prozent bis 165 Euro, IKK classic bis 200 Euro, Techniker keine Erstattung |
| Digitale Gesundheitsanwendung (App auf Rezept, DiGA) | Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Aufnahme ins DiGA-Verzeichnis | Kasse vollständig; zwei Apps für starkes Übergewicht dauerhaft gelistet |
| Ernährungstherapie als Heilmittel per Video | Zulassung der Beraterin über die Arbeitsgemeinschaft der Kassen im Land | Kasse vollständig bis auf die Zuzahlung; nur bei seltenen Stoffwechselkrankheiten und Mukoviszidose |
| Selbst bezahlte Online-Beratung ohne Antrag | Niemand außer Ihnen | Sie selbst; der Preis ist frei vereinbart, ein Kostenvoranschlag vorab ist üblich |
Was zahlt die Krankenkasse für Online-Kurse und Videoberatung?
Bei Online-Kursen sind sich die Kassen weitgehend einig. Die Prüfstelle der Kassen zertifiziert digitale Angebote nach denselben Vorgaben wie Kurse vor Ort. Die Techniker übernimmt für Online- und Präsenzkurse gleichermaßen 80 Prozent der Gebühr bis 150 Euro je Einzelkurs und bis 300 Euro je Kombinationskurs. Für Kurse vor dem 15. Oktober 2024 galten bei Online-Kursen noch 100 Prozent bis 100 Euro. Die BARMER nennt für Kurse und Beratungen ohne Rezept bis zu 200 Euro im Jahr bei zwei Angeboten. Überall müssen Sie regelmäßig teilnehmen, bei festen Terminen an mindestens 80 Prozent der Einheiten. Bei Programmen ohne feste Zeiten verlangt die Techniker 100 Prozent.
Bei der Einzelberatung per Video gehen die Kassen auseinander, deshalb lohnt der Blick auf die eigene Kasse vor dem ersten Termin. Die Beträge liegen zwischen 30 Euro je Folgeberatung bei der BARMER und 200 Euro im Kalenderjahr bei der IKK classic. Die KKH beteiligt sich an bis zu fünf Einzelberatungen, ausdrücklich persönlich, telefonisch oder per Video-Chat, mit 85 Prozent bis insgesamt 165 Euro. Die IKK classic arbeitet mit einem Partner für Videoberatung zusammen, dessen zertifizierte Beraterinnen direkt mit dem Partner abrechnen. Die BARMER erlaubt digitale Beratung, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt und der Anbieter die geforderte Qualifikation hat. Sie zahlt bis zu 45 Euro für die Erstberatung und bis zu 30 Euro je Folgeberatung.
| Krankenkasse | Online-Kurs | Einzelberatung per Video oder Telefon |
|---|---|---|
| Techniker Krankenkasse | 80 Prozent bis 150 Euro, Kurse ab 15.10.2024; Programme ohne feste Zeiten nur bei 100 Prozent absolvierter Einheiten | Nicht erstattungsfähig: Die Schulungen finden ambulant, persönlich und wohnortnah statt (Stand 02.03.2026) |
| KKH | Keine Angabe auf der geprüften Seite | Persönlich, telefonisch oder per Video-Chat; 85 Prozent bis 165 Euro, bis zu fünf Termine |
| IKK classic | Keine Angabe auf der geprüften Seite | Videotelefonie über Kooperationspartner, Abrechnung direkt dort; bis zu 200 Euro je Kalenderjahr |
| BARMER | Bis zu 200 Euro im Jahr für zwei Angebote ohne Rezept | Vor Ort oder digital mit ärztlicher Verordnung; bis 45 Euro Erstberatung, bis 30 Euro je Folgeberatung |
Woran erkennen Sie einen geprüften Online-Kurs?
Die Prüfstelle der Kassen heißt Zentrale Prüfstelle Prävention und führt eine Kursdatenbank. Die Kasse darf einen Kurs nur bezuschussen, wenn er zertifiziert ist, also dort steht. Für Online-Kurse gelten besondere Regeln, die Sie beim Anbieter abfragen können, bevor Sie sich anmelden:
- Der Kurs besteht aus 8 bis 12 aufeinander aufbauenden Einheiten von 45 bis 90 Minuten, in der Regel als wöchentliche Lehreinheiten.
- Eine Kursleitung mit anerkannter Qualifikation begleitet den Kurs, und Sie können mit ihr in Echtzeit oder zeitversetzt sprechen. Vorgesehen sind mindestens 24 Minuten je Teilnehmender.
- Fragen beantwortet eine Fachkraft binnen 48 Stunden.
- Der Anbieter informiert über gesundheitliche Gründe, die eine Teilnahme ausschließen, und stellt technisch sicher, dass Betroffene nicht teilnehmen.
- Bei Live-Online-Kursen erklärt der Anbieter schriftlich, wie er Datenschutz, technische Hilfe und Qualitätskontrolle sichert.
- Ein Kurskonzept ohne Wirksamkeitsnachweis wird zunächst nur für ein Jahr zertifiziert. Legt der Anbieter danach eine Auswertung vor, verlängert sich die Zertifizierung um zwei Jahre. Kurse vor Ort sind in der Regel drei Jahre zertifiziert.
Ein Anbieter, der von Kassenzuschuss spricht, aber nicht in der Datenbank steht, hat die Zertifizierung entweder nicht, oder sie ist abgelaufen. Beides führt zur Ablehnung des Antrags, egal wie gut der Kurs inhaltlich ist.
Wann zahlt die Kasse eine App gegen Übergewicht?
Eine digitale Gesundheitsanwendung, kurz DiGA, ist eine App, die als Medizinprodukt zugelassen ist. Die Kasse zahlt sie ganz, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat die App in sein Verzeichnis aufgenommen, und eine Ärztin oder ein Psychotherapeut hat sie verordnet. Alternativ genehmigt die Kasse die Nutzung, weil die Krankheit belegt ist. Für starkes Übergewicht (Adipositas Grad I und II) führt das Verzeichnis zwei dauerhaft aufgenommene Apps: Oviva Direkt für Adipositas und zanadio. Beide sind für Erwachsene ab 18 Jahren gedacht, also bei einem Body-Mass-Index von 30 bis unter 40.
Die Leitlinie der Fachgesellschaften zur Vorbeugung und Behandlung von Übergewicht nimmt dazu Stellung. Danach können Apps mit nachgewiesenem Nutzen zur Gewichtsabnahme verordnet werden. Die Fachleute formulieren bewusst vorsichtig, weil die Studien insgesamt wenig aussagekräftig sind. Sie halten aber fest, dass die gelisteten Apps die Grundsätze einer Behandlung aus mehreren Bausteinen enthalten und für Patienten kostenfrei sind.
Für Sie heißt das: Eine App ersetzt nicht die Diagnose, sie folgt ihr. Ob bei Ihnen eine Adipositas Grad I oder II vorliegt und ob eine App zu Ihrer Situation passt, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die Verordnung kommt aus der Praxis, der Freischaltcode von der Kasse, die Anwendung vom Hersteller.
Woran erkennen Sie seriöse Online-Ernährungsberatung?
Für Online-Beratung gelten dieselben Regeln wie in der Praxis, nur die Kontrolle fällt schwerer, weil Sie weder Urkunde noch Praxisschild sehen. Prüfen Sie deshalb dieselben Punkte wie vor Ort und zwei zusätzliche für den Bildschirm:
- Qualifikation: Die Person nennt einen staatlich anerkannten Abschluss als Diätassistentin oder ein Hochschulstudium in Ernährung und ein gültiges Verbandszertifikat. Die IKK classic lässt bei ihrem Videopartner nur zertifizierte und registrierte Fachleute zu.
- Keine Erfolgsgarantie: Wer online verspricht, dass ein Erfolg mit Sicherheit eintritt, wirbt irreführend und damit unzulässig. Seriöse Beraterinnen nennen Ziele und Zeiträume, keine Garantien.
- Kein Produktverkauf: Kapseln, Shakes oder Programme mit Provisionsvertrieb sind das deutlichste Warnsignal, online wie offline.
- Datenschutz der Videoplattform: Zertifizierte Anbieter müssen bei Live-Online-Angeboten schriftlich zusichern, wie sie Ihre Daten schützen. Fragen Sie, welche Plattform genutzt wird und wo Ihre Gesundheitsdaten gespeichert werden.
- Kostenvoranschlag und Kassenprüfung: Ein Anbieter, der den Zuschuss Ihrer Kasse verspricht, ohne Ihre Kasse zu kennen, kennt die Unterschiede nicht. Die Techniker erstattet Video-Einzelberatung nicht, die KKH schon.
Ist es ein Gruppenkurs aus der Kursdatenbank der Kassen?
Ja, Ihre Kasse bezuschusst ihn nach ihren Kursregeln. Die Techniker zahlt 80 Prozent bis 150 Euro, wenn Sie mindestens 80 Prozent der Einheiten absolvieren, bei Programmen ohne feste Zeiten alle.
Haben Sie eine ärztliche Bescheinigung, und hat die Beraterin Abschluss und Zertifikat?
Erstattet Ihre Kasse Einzelberatung auch per Video oder Telefon?
Ja, nach Kostenzusage: bei der KKH 85 Prozent bis 165 Euro, bei der IKK classic bis 200 Euro, bei der BARMER bis 45 Euro Erstberatung und 30 Euro je Folgeberatung.
Nein, die Techniker erstattet nur ambulante, persönliche und wohnortnahe Beratung. Wählen Sie eine Praxis vor Ort oder einen zertifizierten Online-Kurs.
Nein, ohne Bescheinigung und Qualifikation zahlen Sie selbst. Ob eine Erkrankung vorliegt, klären Sie zuerst ärztlich.
Zuschuss für Online-Beratung in 5 Schritten holen
Der Ablauf unterscheidet sich vom Termin in der Praxis nur in einem Punkt: Sie klären den Kanal vorab mit der Kasse. Halten Sie diese Reihenfolge ein:
- Prüfen Sie auf der Internetseite Ihrer Kasse oder telefonisch, ob sie Einzelberatung per Video oder Telefon erstattet. Halten Sie die Antwort schriftlich fest, zum Beispiel als Nachricht im Online-Postfach.
- Holen Sie bei einer Erkrankung die ärztliche Bescheinigung in Ihrer Hausarztpraxis. Bei einem Kurs entfällt dieser Schritt.
- Wählen Sie den Anbieter: für Kurse aus der Kursdatenbank, für Einzelberatung eine Beraterin mit Abschluss und Verbandszertifikat oder den Videopartner Ihrer Kasse, wie ihn die IKK classic anbietet.
- Reichen Sie Bescheinigung und Kostenvoranschlag vor dem ersten Termin ein und warten Sie die Zusage ab. Bei der IKK classic dürfen Sie im laufenden Kalenderjahr noch keinen Zuschuss für diese Leistung bekommen haben.
- Reichen Sie nach dem letzten Termin Teilnahmebescheinigung, Rechnung und Zahlungsnachweis ein. Bei Online-Kursen mit festgelegter Nutzungsintensität verlangt die Kasse den Nachweis über die absolvierten Einheiten.
Eine Grenze bleibt auch online bestehen: Bei einer Erkrankung braucht die Beratung eine geklärte Diagnose. Eine Beraterin am Bildschirm kann Sie nicht untersuchen, keine Laborwerte erheben und keine Körperzusammensetzung messen. Sie arbeitet mit den Befunden, die Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mitgibt. Fehlen diese, ist die Online-Beratung eine Beratung ins Blaue, und das ist bei einer Erkrankung der falsche Weg. Der Antrag läuft sonst wie beim Zuschuss der Krankenkasse für eine Beratung in der Praxis.
Häufige Fragen
Zahlt die Krankenkasse eine Online-Ernährungsberatung?
Ob die Krankenkasse eine Online-Ernährungsberatung zahlt, hängt von der Form und der Kasse ab. Zertifizierte Online-Kurse bezuschussen die Kassen wie Kurse vor Ort, die Techniker mit 80 Prozent bis 150 Euro. Bei der Einzelberatung per Video mit ärztlicher Bescheinigung erstattet die KKH 85 Prozent bis 165 Euro und die IKK classic bis 200 Euro, die Techniker erstattet sie nicht. Eine App auf Rezept ist für Versicherte kostenfrei.
Ist eine Ernährungsberatung per Video fachlich gleichwertig mit einem Termin vor Ort?
Eine Ernährungsberatung per Video ist fachlich gleichwertig, wenn dieselbe qualifizierte Beraterin mit denselben ärztlichen Befunden arbeitet. Die Kassen bewerten das aber unterschiedlich: KKH, IKK classic und BARMER bezuschussen Videoberatung, die Techniker verlangt eine persönliche Beratung vor Ort. Untersuchungen und Messungen der Körperzusammensetzung gehen per Video nicht. Beim Heilmittel Ernährungstherapie zahlen die Kassen für Videoberatung denselben Preis wie in der Praxis.
Was ist eine DiGA zur Ernährung und wie bekomme ich sie kostenlos?
Eine DiGA ist eine digitale Gesundheitsanwendung, also eine App auf Rezept. Die Kasse bezahlt sie, wenn sie im Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte steht und ärztlich verordnet oder von der Kasse genehmigt ist. Für starkes Übergewicht bei Erwachsenen sind Oviva Direkt für Adipositas und zanadio dauerhaft gelistet. Sie bekommen die App kostenlos, indem Sie die Verordnung aus der Arztpraxis bei Ihrer Kasse einreichen und den Freischaltcode erhalten.
Brauche ich für eine Online-Ernährungsberatung eine ärztliche Bescheinigung?
Für einen zertifizierten Online-Kurs brauchen Sie keine ärztliche Bescheinigung, nur die Teilnahmebescheinigung des Anbieters nach dem Kurs. Für die Einzelberatung per Video bei einer Erkrankung verlangen alle geprüften Kassen eine ärztliche Bescheinigung mit Diagnose. Für eine App auf Rezept brauchen Sie eine ärztliche Verordnung oder die Genehmigung der Kasse.
