Wer schult Sie bei Typ-2-Diabetes zur Ernährung?
Bei Typ-2-Diabetes schult Sie in der Regel nicht eine einzelne Ernährungsberaterin, sondern ein Team aus Ärztin und geschultem Praxispersonal. Die Langzeitbetreuung übernimmt grundsätzlich Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt. Die Schulung selbst leiten Fachkräfte, die dafür eine eigene Weiterbildung haben. Diese Weiterbildungen unterscheiden sich stark in der Dauer: Eine Diabetesassistentin DDG lernt 200 Theorieeinheiten in 3 bis 6 Monaten, eine Diabetesberaterin DDG dagegen 520 Theorieeinheiten in mindestens 12 Monaten. Eine Diabetesberaterin bringt außerdem 540 Stunden Praxis mit, eine Diabetesassistentin 160 Stunden.
| Fachkraft | Qualifikation | Umfang und Dauer | Wo Sie sie treffen |
|---|---|---|---|
| Diabetesberaterin oder Diabetesberater DDG | Weiterbildung der Deutschen Diabetes Gesellschaft auf einen Gesundheitsfachberuf oder ein Ernährungsstudium | 520 Theorieeinheiten, 540 Stunden Praxis, mindestens 12 bis höchstens 18 Monate | Diabetologische Schwerpunktpraxis, Klinik, Diabeteszentrum |
| Diabetesassistentin oder Diabetesassistent DDG | Kürzere Weiterbildung der Deutschen Diabetes Gesellschaft | 200 Theorieeinheiten, 160 Stunden Praxis, 3 bis 6 Monate | Hausarztpraxis, Schwerpunktpraxis, Pflegeeinrichtung |
| Diätassistentin oder Diätassistent | Ein staatlich geschützter Beruf; den Titel darf nur führen, wer die Erlaubnis dafür hat | Dreijährige Ausbildung | Eigene Praxis, Klinik, in Schwerpunktpraxen als Kooperationspartnerin |
| Ernährungswissenschaftlerin mit Hochschulabschluss | Für die Kasse zusätzlich mit Zertifikat eines Berufsverbands | Studium, dazu Zertifikat mit Fortbildungspflicht | Eigene Praxis, in Schwerpunktpraxen als Kooperationspartnerin |
| Diabetologin oder Diabetologe DDG | Fachärztin für Innere Medizin, Allgemeinmedizin, Kinder- und Jugendmedizin oder Endokrinologie mit Zusatzqualifikation | 24 Monate in einer anerkannten Einrichtung | Diabetologische Schwerpunktpraxis, Klinik |
Die Zusätze mit DDG vergibt die Deutsche Diabetes Gesellschaft, eine Fachgesellschaft, nach ihrer eigenen Prüfungsordnung. Gesetzlich geschützt ist davon nur der Titel Diätassistentin. Für Sie zählt eine einfache Frage: Hat die Person, die Sie schult, eine Diabetes-Weiterbildung oder eine staatlich anerkannte Ausbildung? Ein Titel wie Diabetes-Coach ohne diese Grundlage sagt darüber nichts.
In einer diabetologischen Schwerpunktpraxis arbeitet das Team enger zusammen als in der Hausarztpraxis. Dort muss je Ärztin oder Arzt mindestens eine Diabetesberaterin DDG in Vollzeit arbeiten, dazu eine Ernährungswissenschaftlerin oder Diätassistentin als feste Kraft oder Kooperationspartnerin. Die Fachkraft für Ernährung gehört dort also zur festen Ausstattung, nicht zu einer Zusatzleistung. Was der Unterschied zwischen Beratung und Therapie sonst bedeutet, erklärt der Artikel Was macht ein Ernährungsberater.
Im Betreuungsprogramm zahlt die Kasse die Schulung ganz
In einem strukturierten Betreuungsprogramm für chronisch Kranke zahlen Sie für die Schulung nichts. Kassen nennen dieses Programm auch Disease-Management-Programm, kurz DMP; diese Abkürzung finden Sie auf Anmeldeformularen und in Briefen Ihrer Kasse wieder. Die Teilnahme ist freiwillig, Sie melden sich über Ihre Hausarztpraxis an. Mehrere Kassen schreiben ausdrücklich, dass sie die Kosten der Schulung übernehmen.
Der Grund, warum die Schulung so fest verankert ist: Jede Patientin und jeder Patient mit Typ-2-Diabetes soll Zugang zu einem erprobten, auf die Zielgruppe zugeschnittenen Schulungsprogramm bekommen. Ernährungsberatung ist darin kein eigener Termin, sondern Teil dieser Schulung.
Das Geld fließt an Ihnen vorbei: Die Kasse zahlt der Praxis jede Unterrichtseinheit je teilnehmender Person. In Berlin liegen die Sätze zwischen 23,50 und 29,50 Euro je Einheit, dazu 9 Euro für das Schulungsmaterial. Eine Angehörige oder ein Angehöriger, die oder der mitkommt, ist damit ebenfalls abgedeckt, wenn das aus medizinischen Gründen sinnvoll ist.
Welche 7 Schulungsprogramme es für Typ-2-Diabetes gibt
Welches Programm Sie bekommen, richtet sich nach Ihrer Behandlung, nicht nach Ihrem Wunsch. Je nach Behandlung dauert eine Schulung 4 bis 12 Einheiten zu 90 Minuten, in Gruppen von 4 bis 10 Personen. Wer keine Tabletten und kein Insulin braucht, lernt andere Dinge als jemand, der sich mehrmals am Tag Insulin spritzt.
| Programm | Für wen | Einheiten | Gruppe |
|---|---|---|---|
| Behandlungs- und Schulungsprogramm ohne Insulin | Ohne Insulin | 4, wöchentlich über 4 Wochen | bis 10 Personen |
| MEDIAS 2 Basis | Ohne Insulin | 12, wahlweise 8 | bis 8 Personen |
| LINDA-Selbstmanagementschulung | Ohne Insulin, mit Insulin oder intensivierte Insulintherapie | 4, 5 oder 12 | bis 10 Personen ohne Insulin |
| MEDIAS 2 BOT, SIT, CT | Insulin zusätzlich zu Tabletten oder konventionelle Insulintherapie | 6, meist innerhalb von 6 Wochen | keine Angabe |
| Programm für Diabetiker, die Insulin spritzen | Mit Insulin | 5, davon 2 an aufeinanderfolgenden Tagen | bis 4 Personen |
| MEDIAS 2 ICT | Intensivierte Insulintherapie mit mehreren Spritzen am Tag | 12 | bis 8 Personen |
| Programm für Patienten mit Bluthochdruck | Typ-2-Diabetes mit Bluthochdruck | 4, wöchentlich | bis 4 Personen |
Deshalb bekommen Sie nicht jede Schulung in jeder Praxis: Eine Praxis darf nur die Programme abrechnen, für die Ärztin und Praxisteam eine anerkannte Qualifizierung nachgewiesen haben. Das Programm bei Bluthochdruck gibt es aus einem eigenen Grund: Menschen mit Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck sollen Zugang zu einer eigenen Schulung bekommen.
Neu ist die Schulung am Bildschirm. Seit November 2023 ist eine Schulung ganz oder teilweise per Video erlaubt, als Videokonferenz oder Webinar mit Austausch in Echtzeit. Solche Programme können seit dem 9. März 2024 zur Genehmigung eingereicht werden. Ob Ihre Praxis eine Videoschulung anbietet, hängt davon ab, ob ihr Programm dafür zugelassen ist.
Ohne das Programm bekommen Sie nur einen Zuschuss
Ohne das Betreuungsprogramm gibt es keine Schulung als feste Leistung. Ihre Kasse kann dann eine Einzelberatung bei einer Fachkraft bezahlen, wirksam und auf Sie zugeschnitten. Das Wort kann ist entscheidend: Die Kasse entscheidet freiwillig, und die Höhe legt sie selbst fest.
Für diesen Weg brauchen Sie eine ärztliche Bescheinigung. Die Vorlage der Berufsverbände nennt Diabetes ausdrücklich als möglichen Grund und weist darauf hin, dass Sie die Finanzierung vor der ersten Beratung mit der Kasse klären. Mehr zu diesem Weg zeigt der Artikel Zuschuss der Krankenkasse zur Ernährungsberatung. Beide Wege schließen sich nicht aus: Die Schulung im Programm ist Gruppenarbeit, und wer danach eine persönliche Beratung zum eigenen Alltag braucht, kann sie zusätzlich beantragen.
Hat Ihre Ärztin oder Ihr Arzt einen Typ-2-Diabetes festgestellt?
Sind Sie im Betreuungsprogramm für Diabetes Typ 2 Ihrer Krankenkasse angemeldet?
Fragen Sie in Ihrer Praxis nach der passenden Schulung. Die Kasse bezahlt sie ganz, auch für eine Begleitperson. Eine persönliche Ernährungsberatung darüber hinaus beantragen Sie mit ärztlicher Bescheinigung als Zuschuss.
Lassen Sie sich in der Hausarztpraxis zum Betreuungsprogramm beraten; die Anmeldung ist freiwillig und kostet nichts. Wenn Sie nicht teilnehmen wollen, bleibt die Einzelberatung mit Bescheinigung, für die Ihre Kasse einen Zuschuss nach eigenem Satz zahlt.
Hat die Praxis einen Prädiabetes oder ein erhöhtes Diabetesrisiko festgestellt?
Das Programm steht Ihnen nicht offen. Fragen Sie Ihre Ärztin, ob eine Einzelberatung mit Bescheinigung sinnvoll ist, und klären Sie den Zuschuss vorher mit Ihrer Kasse.
Lassen Sie den Blutzucker zuerst ärztlich abklären. Die Diagnose stellt die Ärztin anhand von Laborwerten an mindestens zwei verschiedenen Tagen, nicht eine Beratung.
So kommen Sie in 6 Schritten zur passenden Diabetes-Schulung
Der Weg ist kürzer, als viele denken, weil fast alles über die Hausarztpraxis läuft. Diese Reihenfolge spart Ihnen Rückfragen:
- Fragen Sie Ihre Hausarztpraxis, ob sie am Betreuungsprogramm für Typ-2-Diabetes teilnimmt, und melden Sie sich dort an.
- Klären Sie im nächsten Termin, welche Schulung zu Ihrer Behandlung passt: ohne Insulin, mit Insulin oder mit Bluthochdruck.
- Lassen Sie sich sagen, ob die Praxis selbst schult oder an eine diabetologische Schwerpunktpraxis überweist, und wann der nächste Kurs beginnt.
- Planen Sie die Termine fest ein: Die Programme laufen meist wöchentlich über vier bis sechs Wochen, jede Einheit dauert 90 Minuten.
- Nehmen Sie eine Angehörige oder einen Angehörigen mit, wenn diese Person für Sie kocht oder einkauft; die Kosten sind mit abgedeckt.
- Bitten Sie nach der Schulung um eine persönliche Ernährungsberatung mit ärztlicher Bescheinigung, wenn Fragen zu Ihrem Alltag offen bleiben.
Bringen Sie zur Schulung Ihren Medikamentenplan und die letzten Laborwerte mit. Die Schulung erklärt, wie Mahlzeiten, Bewegung und Medikamente zusammenspielen, und das geht nur konkret, wenn die Fachkraft Ihre Behandlung kennt.
Nur 54,5 Prozent nutzen die empfohlene Schulung
Eine empfohlene Schulung ist noch keine besuchte Schulung. Eine Auswertung für Nordrhein zeigt: Knapp der Hälfte der Programmteilnehmenden, 44,2 Prozent, wurde im Verlauf eine Schulung empfohlen, und 54,5 Prozent von ihnen haben sie tatsächlich wahrgenommen. Eine bundesweite Zahl dazu gibt es nicht.
Warum das zählt: Die Qualität des Programms misst sich unter anderem daran, wie viele zuvor ungeschulte Teilnehmende die empfohlene Schulung tatsächlich besuchen. Die aktuelle ärztliche Leitlinie zu Typ-2-Diabetes hat ihr Kapitel zu Schulung und Ernährungstherapie noch nicht neu geschrieben; die Regeln für die Schulung kommen deshalb heute aus dem Programm selbst.
- Die Schulung ist Teil der Behandlung, keine Freizeitveranstaltung: Sie lernen dort, wie Sie Ihren Stoffwechsel im Alltag selbst kontrollieren.
- Wer zwei Schulungen innerhalb von zwölf Monaten nicht wahrnimmt, riskiert das Ende der Programmteilnahme.
- Bei Übergewicht wird eine Gewichtsabnahme empfohlen, um Blutzucker und Herz-Kreislauf-Risiko zu senken; die Schulung zeigt, wie das im Alltag gelingen kann.
- Erreichen Sie Ihren vereinbarten Blutzuckerzielwert binnen sechs Monaten nicht, kann eine Überweisung in eine besonders erfahrene Einrichtung sinnvoll sein.
Häufige Fragen
Kostet die Diabetes-Schulung im Betreuungsprogramm etwas?
Die Diabetes-Schulung im Betreuungsprogramm kostet Sie nichts, denn die Kasse zahlt der Praxis jede Einheit direkt. In Berlin sind das je nach Programm 23,50 bis 29,50 Euro je Person und Einheit von 90 Minuten, dazu das Schulungsmaterial. Auch eine Begleitperson ist damit abgedeckt.
Wer darf bei Typ-2-Diabetes eine Schulung durchführen?
Eine Schulung bei Typ-2-Diabetes darf nur eine Praxis abrechnen, deren Ärztin und Praxisteam eine anerkannte Qualifizierung für das jeweilige Programm nachgewiesen haben. In diabetologischen Schwerpunktpraxen schult meist eine Diabetesberaterin DDG, in Hausarztpraxen eine Diabetesassistentin DDG oder anderes qualifiziertes Praxispersonal.
Brauche ich das Betreuungsprogramm, um bei Diabetes Typ 2 eine Ernährungsberatung bezahlt zu bekommen?
Für eine Ernährungsberatung bei Diabetes Typ 2 brauchen Sie das Programm nicht zwingend. Ohne Programm kann die Kasse eine Einzelberatung bezuschussen, wenn Ihre Ärztin eine Bescheinigung ausstellt. Die Schulung im Programm bezahlt die Kasse dagegen ganz; der Zuschuss außerhalb ist eine freiwillige Leistung, auf die Sie keinen Rechtsanspruch haben.
Worin unterscheiden sich Diabetesberaterin DDG und Diabetesassistentin DDG?
Die Diabetesberaterin DDG hat die längere Weiterbildung mit 520 Theorieeinheiten und 540 Stunden Praxis über mindestens zwölf Monate. Die Diabetesassistentin DDG hat 200 Theorieeinheiten und 160 Stunden Praxis in drei bis sechs Monaten. In diabetologischen Schwerpunktpraxen muss mindestens eine Diabetesberaterin DDG in Vollzeit arbeiten.
Kann ich eine Diabetes-Schulung im Betreuungsprogramm wiederholen?
Eine Diabetes-Schulung im Programm können Sie frühestens drei Jahre nach der Erstschulung als Nachschulung wiederholen. Ändert sich Ihre Behandlung, etwa beim Wechsel auf Insulin, ist die passende neue Schulung auch früher möglich. Die genauen Regeln legt Ihre Region fest und können dort abweichen.
Gibt es die Schulung bei Typ-2-Diabetes auch per Video?
Die Schulung bei Typ-2-Diabetes darf ganz oder teilweise per Video stattfinden, als Videokonferenz oder Webinar mit Austausch in Echtzeit. Das Programm der Praxis muss dafür zugelassen sein; solche Programme können seit dem 9. März 2024 zur Genehmigung eingereicht werden. Fragen Sie Ihre Praxis, ob sie ein Videoformat anbietet.
