Geschützt ist nur der Titel, nicht die Tätigkeit
Der Unterschied beginnt beim Namen. Wer sich Diätassistentin oder Diätassistent nennen will, braucht eine behördliche Erlaubnis, und die gibt es nur nach der vorgeschriebenen Ausbildung mit bestandener staatlicher Prüfung. Diese Ausbildung dauert drei Jahre an einer staatlich anerkannten Schule. Für die Bezeichnung Ernährungsberater gibt es kein vergleichbares Gesetz: Sie gilt als Weiterbildung nach den Regeln der jeweiligen Bildungseinrichtung, und rechtlich ist keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben.
Geschützt ist damit nur die Berufsbezeichnung, nicht die Arbeit selbst. Der Verband der Diätassistenten kritisiert genau das: Das Berufsgesetz stammt im Kern aus den 1990er-Jahren und legt keiner einzigen Berufsgruppe die Ernährungstherapie als alleinige Aufgabe vor. Weil diese Festlegung fehlt, darf auch eine Person ohne Ausbildung Ernährungsberatung anbieten, solange sie keine Krankheiten behandelt.
Diese Grenze zieht ein anderes Gesetz, und es gilt für alle, die weder Ärztin sind noch eine Heilpraktikererlaubnis haben. Jede berufsmäßige Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten gilt als Ausübung der Heilkunde. Diätassistentinnen arbeiten bei Krankheiten deshalb auf ärztliche Anordnung: Die Diagnose stellt die Ärztin, die Fachkraft setzt die Ernährungstherapie um. Wie Sie selbst einen qualifizierten Ernährungsberater finden, hängt genau an dieser Abgrenzung.
Zwischen der drei Jahre langen Ausbildung der Diätassistentin und der freien Weiterbildung zum Ernährungsberater liegt eine dritte Gruppe: Menschen mit einem Studium der Ernährungswissenschaft und einem Zertifikat eines Fachverbands. Im Tarif des öffentlichen Dienstes zeigt sich der Abstand deutlich, von Entgeltgruppe 7 für die Diätassistentin bis Entgeltgruppe 9b für dieselbe Person mit einer zusätzlichen Fortbildung zur Ernährungsberaterin. Die folgende Übersicht stellt alle drei Wege nebeneinander.
| Merkmal | Diätassistentin | Ernährungswissenschaftlerin mit Verbandszertifikat | Ernährungsberater ohne Grundberuf |
|---|---|---|---|
| Grundlage | Ausbildung mit Erlaubnis der Landesbehörde | Hochschulabschluss, dazu Zertifikat eines Verbands | keine, es gelten die Regeln des Lehrgangs |
| Weg in den Beruf | 3 Jahre Berufsfachschule mit staatlicher Prüfung | Bachelor oder Master, danach Zertifikat | Lehrgang, Dauer je nach Anbieter |
| Status | Heilberuf | kein Heilberuf | kein Heilberuf |
| Einzelberatung mit Kassenzuschuss | ja, als anerkannte Fachkraft | ja, mit gültigem Zertifikat | nein |
| Leitung eines Präventionskurses | Anerkennung auf Basis der Berufsurkunde | Anerkennung nach Prüfung der Studieninhalte | nein, ein Lehrgang ersetzt keine Grundausbildung |
| Umsatzsteuer bei Heilbehandlung | befreit | befreit im Rahmen einer medizinischen Behandlung | keine Befreiung als Heilbehandlung |
| Strafbewehrte Schweigepflicht | ja | in eigener Praxis nein, als Mitarbeiterin einer Arztpraxis ja | in eigener Praxis nein, als Mitarbeiter einer Arztpraxis ja |
| Tarif im öffentlichen Dienst | Entgeltgruppe 7 bis 9b | nicht als eigener Gesundheitsberuf aufgeführt | nicht als eigener Gesundheitsberuf aufgeführt |
Welche Fachkraft passt zu welchem Anlass?
Welche Fachkraft Sie brauchen, hängt an einer Frage: Hat eine Ärztin bei Ihnen eine Erkrankung festgestellt, bei der die Ernährung Teil der Behandlung ist? Wenn ja, entscheidet die Qualifikation der Fachkraft über den Kassenzuschuss. Die gemeinsame Vorlage der großen Fachverbände für die ärztliche Bescheinigung beschreibt die anerkannte Fachkraft genau: Diätassistentinnen sowie Ernährungswissenschaftlerinnen und Absolventinnen verwandter Studiengänge mit dem Zertifikat eines Berufsverbands.
Ohne Erkrankung sind Sie freier. Für gesunde Menschen bezahlen die Kassen Ernährung nur als zertifizierten Kurs, und dort zählt, ob die Kursleitung von der Prüfstelle der Kassen anerkannt ist. Eine Einzelberatung ohne Diagnose zahlen Sie selbst, bei wem auch immer. Für zwei seltene Krankheitsgruppen gibt es einen dritten Weg: Bei einer angeborenen Stoffwechselerkrankung wie Phenylketonurie und bei einer bestimmten Lungenerkrankung ist Ernährungstherapie ein Heilmittel auf Verordnung. Die Therapeutin muss dafür unter anderem Erfahrung mit mindestens 75 behandelten Patientinnen und Patienten im Rahmen einer mindestens einjährigen Berufstätigkeit nachweisen.
Hat eine Ärztin oder ein Arzt bei Ihnen eine Erkrankung festgestellt, bei der die Ernährung Teil der Behandlung ist?
Ist es eine seltene angeborene Stoffwechselerkrankung oder eine bestimmte Lungenerkrankung?
Ernährungstherapie ist für Sie ein Heilmittel. Die spezialisierte Praxis verordnet sie, und Sie wählen eine dafür zugelassene Fachkraft.
Lassen Sie sich die ärztliche Bescheinigung geben und wählen Sie eine Diätassistentin oder eine Ernährungswissenschaftlerin mit Verbandszertifikat. Nur dann kommt ein Kassenzuschuss in Betracht.
Möchten Sie einen Zuschuss der Krankenkasse nutzen?
Buchen Sie einen zertifizierten Kurs. Dessen Kursleitung hat die Prüfstelle der Kassen anerkannt, meist eine Diätassistentin oder eine Fachkraft mit Ernährungsstudium.
Sie können frei wählen und zahlen selbst. Fragen Sie trotzdem nach dem Grundberuf, denn der Titel Ernährungsberater sagt über die Ausbildung nichts.
- Gesund essen oder Gewicht halten ohne Erkrankung: jede Beraterin, auch ohne Grundberuf, als Leistung, die Sie selbst bezahlen.
- Abnehmen in der Gruppe mit Kassenzuschuss: ein zertifizierter Kurs mit anerkannter Kursleitung.
- Diabetes, Übergewicht, Unverträglichkeit, Zöliakie oder eine andere Diagnose: Diätassistentin oder Ernährungswissenschaftlerin mit Zertifikat, auf ärztliche Bescheinigung.
- Seltene angeborene Stoffwechselerkrankung oder eine bestimmte Lungenerkrankung: eine für Ernährungstherapie als Heilmittel zugelassene Fachkraft auf ärztliche Verordnung.
- Ernährung im Krankenhaus oder in der Reha: meist Diätassistentinnen, die vorwiegend in Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken und ambulanten Schwerpunktpraxen arbeiten.
- Leistungssport: eine Fachkraft mit Grundberuf in Ernährung und Schwerpunkt Sporternährung, meist als Leistung, die Sie selbst bezahlen.
Die Kassen verlangen einen anerkannten Grundberuf
Die Krankenkassen bezahlen Ernährungsberatung aus den Beiträgen ihrer Versicherten und brauchen deshalb einen Maßstab, den sie ohne Einzelfallprüfung anwenden können. Diesen Maßstab liefert der Grundberuf. Eine Prüfstelle prüft im Auftrag der Kassen, wer einen Präventionskurs leiten darf. Im Bereich Ernährung müssen mindestens 60 Prozent der geforderten Fachkenntnisse aus einer staatlich anerkannten Berufsausbildung oder einem Studium mit Abschluss stammen, höchstens 40 Prozent dürfen andere Kurse ergänzen.
Für Diätassistentinnen ist dieser Nachweis einfach: Sie werden auf Basis ihrer Berufsurkunde anerkannt, weil ein Bundesgesetz ihre Ausbildung festlegt. Bei Studienabsolventinnen prüft die Stelle dagegen die Module des Studiums, denn die Studiengänge haben je nach Hochschule sehr verschiedene Schwerpunkte. Einen staatlich anerkannten Status als Heilberuf haben Studienabsolventinnen nicht.
Für Sie als Ratsuchende hat dieser Maßstab einen Nutzen, der über das Geld hinausgeht. Wer die Hürde der Kassen nimmt, hat eine Ausbildung, deren Inhalte eine Behörde oder eine Hochschule festgelegt hat. Bei einem Lehrgang ohne staatliche Regelung wissen Sie das erst, wenn Sie den Lehrplan selbst lesen.
Ernährungsberaterin ist im Tarif ein Aufstieg für Diätassistentinnen
Wie eng beide Bezeichnungen zusammenhängen, zeigt der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst. Seine Entgeltordnung für die Kommunen führt Diätassistentinnen als eigenen Gesundheitsberuf. Eine staatlich anerkannte Diätassistentin mit entsprechender Tätigkeit steht in Entgeltgruppe 7. Wer mindestens zu einem Viertel schwierige Aufgaben erfüllt, kommt in Gruppe 8, wer überwiegend schwierige Aufgaben erfüllt, in Gruppe 9a. Als schwierig gelten zum Beispiel die Beratung einzelner Patientinnen und Patienten, eigenständige Ernährungserhebungen und spezielle Diätformen bei Nieren- oder Lebererkrankungen.
Die höchste Gruppe 9b erreicht eine Diätassistentin mit Fortbildung zur Ernährungsberaterin oder einer vergleichbaren Fortbildung, etwa zur Diabetesberaterin, und entsprechender Tätigkeit. Im Krankenhaus ist die Ernährungsberaterin also kein Gegenmodell zur Diätassistentin, sondern ein Aufstieg für sie. Beschäftigte, die die Tätigkeit ohne staatliche Anerkennung ausüben, stehen in Gruppe 5. Ernährungswissenschaftlerinnen nennt der Abschnitt über Gesundheitsberufe gar nicht.
Außerhalb der Kliniken sieht das Bild anders aus. Diätassistentinnen arbeiten vorwiegend in Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken, ambulanten Schwerpunktpraxen, Pflegeheimen mit eigener Küche und bei Menüdiensten. Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater arbeiten dagegen häufig in Sport-, Fitness- und Wellnesseinrichtungen, in Beratungsstellen, bei Seminaranbietern und in der Nahrungsmittelindustrie.
In 5 Schritten zur passenden Fachkraft
Die Reihenfolge ist wichtig, weil die Diagnose über den Weg entscheidet und nicht der Titel der Fachkraft. Gehen Sie so vor:
- Klären Sie zuerst mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob eine Erkrankung vorliegt. Eine Diagnose ist Ärztinnen und Ärzten sowie zugelassenen Heilpraktikern vorbehalten, nicht der Diätassistentin und nicht dem Ernährungsberater.
- Liegt eine Diagnose vor, lassen Sie sich die ärztliche Bescheinigung ausstellen. Die Praxis kann darauf ankreuzen, ob sie einen Behandlungsbericht wünscht, und Laborbefunde und Medikationsplan beilegen.
- Suchen Sie gezielt nach einer Diätassistentin oder einer Ernährungswissenschaftlerin mit gültigem Verbandszertifikat. Fragen Sie am Telefon nach dem Grundberuf, nicht nur nach dem Titel auf der Website.
- Ohne Diagnose entscheiden Sie zwischen Kurs und Einzelberatung. Nur ein zertifizierter Kurs bringt einen Kassenzuschuss, eine Einzelberatung ohne Diagnose zahlen Sie selbst.
- Fragen Sie vor dem ersten Termin, ob Umsatzsteuer auf die Rechnung kommt. Die Heilbehandlung einer Diätassistentin ist befreit, eine Beratung ohne Heilbehandlung nicht.
Der erste Schritt schützt Sie vor dem teuersten Fehler. Wer ohne Befund eine Beratung zu einer vermuteten Unverträglichkeit bucht, zahlt selbst, und die Fachkraft arbeitet mit einer Vermutung, die niemand ärztlich geprüft hat.
Schweigepflicht und Umsatzsteuer hängen am Grundberuf
Zwei rechtliche Folgen merken Sie erst, wenn es darauf ankommt. Die erste ist die Schweigepflicht. Wer unbefugt Geheimnisse offenbart, macht sich als Angehörige eines Heilberufs mit staatlich geregelter Ausbildung strafbar. Eine Diätassistentin erfüllt diese Bedingung, ein Ernährungsberater ohne Grundberuf nicht. Für ihn gilt beim Umgang mit Ihren Gesundheitsdaten nur das allgemeine Datenschutzrecht.
Die zweite Folge steht auf der Rechnung. Das Bundesfinanzministerium zählt Diätassistentinnen zu den Heilberufen, deren Heilbehandlungen steuerfrei sind. Ernährungswissenschaftlerinnen stehen dort ebenfalls, aber nur im Rahmen einer medizinischen Behandlung. Für einen Ernährungsberater ohne Heilberuf gilt diese Befreiung nicht. Bei gleichem Honorar kann eine Beratung dadurch 19 Prozent teurer sein, sofern der Anbieter nicht als Kleinunternehmer ohne Umsatzsteuer abrechnet.
Häufige Fragen
Brauche ich bei einer Diagnose eine Diätassistentin oder reicht ein Ernährungsberater?
Bei einer ärztlich festgestellten Erkrankung brauchen Sie für einen Kassenzuschuss eine anerkannte Fachkraft. Dazu zählen nach der Vorlage der Berufsverbände Diätassistentinnen sowie Ernährungswissenschaftlerinnen mit Verbandszertifikat. Ein Ernährungsberater ohne diesen Grundberuf erfüllt die Voraussetzung nicht, und eine Krankheit zu behandeln bleibt ohne ärztliche Anordnung Ärztinnen und zugelassenen Heilpraktikern vorbehalten.
Darf sich eine Diätassistentin auch Ernährungsberaterin nennen?
Ja, eine Diätassistentin darf sich zusätzlich Ernährungsberaterin nennen, weil diese Bezeichnung nicht geschützt ist. Umgekehrt handelt ordnungswidrig, wer sich ohne Erlaubnis Diätassistentin nennt. Im Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes gilt die Fortbildung zur Ernährungsberaterin sogar als Aufstieg: Sie hebt eine Diätassistentin mit entsprechender Tätigkeit in die Entgeltgruppe 9b.
Zahlt die Krankenkasse einen Ernährungsberater ohne staatlich anerkannten Abschluss?
Ein Ernährungsberater ohne staatlich anerkannten Berufs- oder Studienabschluss erfüllt weder die Voraussetzung für die Einzelberatung noch für die Leitung eines Präventionskurses. Für Kurse verlangt die Prüfstelle der Kassen, dass mindestens 60 Prozent der Fachkenntnisse aus einer staatlich anerkannten Ausbildung oder einem Studium stammen. Ein Lehrgangszertifikat ersetzt diese Grundausbildung nicht.
Kann man Diätassistentin in Deutschland studieren?
Diätassistentin wird man in Deutschland nur über eine dreijährige schulische Ausbildung mit staatlicher Prüfung. Anders als für Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie gibt es für die Diätassistenz keinen eigenen Studiengang, was der Verband der Diätassistenten seit Jahren kritisiert. Wer studieren möchte, wählt Ernährungswissenschaft, einen anderen Abschluss ohne den Status eines Heilberufs.
Darf eine Ernährungswissenschaftlerin dieselben Leistungen erbringen wie eine Diätassistentin?
Eine Ernährungswissenschaftlerin mit Verbandszertifikat darf wie eine Diätassistentin Einzelberatungen mit Kassenzuschuss und anerkannte Kurse anbieten. Unterschiede bleiben beim Status: Ernährungswissenschaftlerinnen sind kein Heilberuf, ihre Beratung ist nur im Rahmen einer medizinischen Behandlung umsatzsteuerfrei, und die strafbewehrte Schweigepflicht erfasst nur Heilberufe mit staatlich geregelter Ausbildung.
